Pfandflaschen kennen wir vor allem von Wasser, Bier oder Limo. Doch jetzt wollen Hersteller Mehrweg auch dorthin bringen, wo bisher meist Einwegglas im Regal steht: zu Speiseöl, Essig, Sirup, Würzsaucen, Aufstrichen und Konserven.
Beim Einkaufen könnte sich bald etwas ändern: Glasverpackungen für Lebensmittel sollen öfter zurück in den Kreislauf, statt nach einmaliger Nutzung im Altglascontainer zu landen.
Dafür hat sich die Hersteller-Allianz „Glas kann mehrWeg“ formiert. Inzwischen stehen 24 Hersteller und Marken gemeinsam hinter dem Projekt. Das Ziel? Mehrweg-Glasverpackungen auch außerhalb von Getränken und Molkereiprodukten im Handel sichtbarer und einfacher nutzbar machen.
Darum geht es bei der neuen Pfand-Idee
Die Idee ist eigentlich ganz simpel: Wer Öl, Essig oder andere Lebensmittel in einer Mehrweg-Glasverpackung kauft, zahlt Pfand. Ist die Flasche oder das Glas leer, geht es zurück in den Automaten oder in den Handel, wird gereinigt und wieder befüllt.
Das kennt man vom Getränkeregal. Neu ist hingegen, dass das Prinzip stärker auf weitere Lebensmittel übertragen werden soll. dotch bietet bereits Mehrwegflaschen für Öl, Essig, Sirup und Würzsauce an, unter anderem in 250-ml- und 500-ml-Größen.
Aber warum das Ganze? Glas wirkt zwar hochwertig und nachhaltig. Doch Einwegglas muss nach der Nutzung eingeschmolzen und neu verarbeitet werden. Und genau das kostet Energie. Die Allianz argumentiert deshalb: Glas wird erst dann besonders sinnvoll, wenn es mehrfach genutzt wird. Auf der Website von „Glas kann mehrWeg“ heißt es, Glas sei ökologisch und ökonomisch vor allem dann sinnvoll, wenn es im Mehrweg-Kreislauf geführt werde.
Ist das schon Pflicht?
Nein. Es geht hier nicht um eine neue gesetzliche Pfandpflicht für alle Lebensmittelgläser. Es handelt sich um ein Mehrwegsystem, das Hersteller und Handel freiwillig nutzen können.
Wichtig ist auch: Mehrweg und Einweg funktionieren unterschiedlich. Bei Getränken liegt das Mehrwegpfand meist bei 8 oder 15 Cent, Einwegpfand bei 25 Cent. Außerdem gibt es bei Mehrweg keine einheitliche gesetzliche Kennzeichnung wie beim Einwegpfand-Logo.
Bei den neuen Mehrweg-Glasverpackungen für Lebensmittel können die Pfandbeträge deshalb anders aussehen, wie das Beispiel dotch mit 50 Cent pro Flasche zeigt.
Wo gibt es das schon?
Ganz neu ist die Idee nicht. Bei Speiseölen ist das dotch-System laut Pressemeldung bereits im Biofachhandel und Großhandel in Deutschland und Österreich im Einsatz. Insgesamt sind demnach rund 1.800 Filialen angebunden.
Nun soll das Prinzip auf weitere Kategorien ausgeweitet werden. dotch-Mitgründerin Veronika Pfender erklärt in der Mitteilung, dass gemeinsam mit vielen Herstellern eine Mehrwegglasserie für Obst- und Gemüsekonserven, Saucen und Marmeladen entwickelt wurde.
Diese Marken sind bei der Allianz dabei
Dotch mehrweg nennt mehrere beteiligte Hersteller und Marken, darunter BIO PLANÈTE, Feinkost Dittmann, Brökelmann, Andros, Bauck Mühle, Marschland, Alfred Paulsen, Werder Feinkost, Kühl, Develey, Monin Deutschland, drehbio, Brandl, il Cesto, Unser Land Netzwerk, Teutoburger Ölmühle, Teikei Agora, Mani Olivenöl, Jordan Olivenöl, Henry Lamotte Oils, WasaGau Ölmühle Hauenstein, Allgäuer Ölmühle und Kappelbauer Ölmühle.
Für euch als Verbraucher:innen könnte der Einkauf in Zukunft also etwas anders aussehen: mehr Pfandbeträge auf dem Kassenzettel, mehr Rückgabe am Automaten, aber auch weniger Verpackungsabfall.
Ob sich das System großflächig durchsetzt, hängt nun vor allem vom Handel ab. Denn nur wenn genug Märkte die Produkte listen und die Rückgabe einfach funktioniert, wird Mehrweg bei Öl, Saucen und Co. wirklich alltagstauglich.
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