So planen wir unseren Einkauf: Eine Analyse aus über 6.000 Städten
Einkaufslisten sind ehrlich. Sie entstehen morgens am Küchentisch, abends auf dem Sofa oder hektisch in der Mittagspause. Niemand schreibt auf, was gut klingt oder gesellschaftlich erwünscht ist. Die Einkaufsliste kennt keine Eitelkeit – sie kennt nur den leeren Kühlschrank, die Jagd nach einem guten Angebot, das bevorstehende Abendessen und den Wunsch nach dem einen Snack, der den Tag rettet.
Wir von kaufDA haben seit Mai des vergangenen Jahres die Angebots-Prospekte von Supermärkten, Discountern, Biomärkten und Getränkemärkten ausgewertet, um herauszufinden, was Millionen Deutsche auf ihre digitale Einkaufsliste setzen. Die Ergebnisse überraschen, bestätigen Vermutungen und werfen ein Licht auf regionale Eigenheiten, die so bisher niemand dokumentiert hat. Energy Drinks haben Cola überholt. Avocados dominieren das Obstregal. Und Flensburg nascht am liebsten.
Diese Analyse zeigt, was Deutschland wirklich isst, trinkt und kauft – sortiert nach Beliebtheit, Saison und Region.
Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick:
- Energy Drinks und Coca-Cola sind mit Abstand die meistnotierten Produkte.
- Die Avocado ist das beliebteste Frischeprodukt und liegt gleichauf mit Butter.
- Im Osten Deutschlands führt Energy Drink die Listen an, im Westen bleibt Cola auf Platz eins.
- Schleswig-Holstein ist das einzige Bundesland, in dem Süßigkeiten unter den Top 5 landen.
- 4 von 5 Wassermelonen, Kirschen oder Nektarinen werden zwischen Juni und August auf die Liste gesetzt.
Inhaltsübersicht
- Die Top 50 Produkte: Energy Drink und Cola auf dem Thron
- Wenn die Jahreszeit den Einkauf bestimmt: Ein Blick auf saisonale Trends
- Von Flensburg bis München: So unterschiedlich kauft Deutschland
- Produkt-Duelle: Wer gewinnt den direkten Vergleich?
- Fazit: Die Einkaufsliste lügt nicht
- So haben wir die Daten ausgewertet
Die Top 50 Produkte: Energy Drink und Cola auf dem Thron
Was landet am häufigsten auf der Einkaufsliste bei der Jagd nach den besten Angeboten? Ein Blick auf die Top 50 Produkte des vergangenen Jahres innerhalb der kaufDA-Einkaufslisten macht klar: Energy Drinks liegen vorn. Mit einem Anteil von über 7 Prozent an den Top-50-Listeneinträgen hat der Wachmacher den ewigen Klassiker Coca-Cola (knapp 6 Prozent) hinter sich gelassen. Der Abstand beträgt fast zwei Prozentpunkte – in einer Auswertung dieser Größenordnung ist das ein Statement.
Dabei spiegelt der Siegeszug der Energy Drinks einen Wandel wider, der sich seit Jahren andeutet. Die Zielgruppe hat sich längst erweitert, Energy Drinks sind im Alltag angekommen und landen nun besonders häufig auf dem Einkaufszettel.
Mit deutlichem Abstand hinter den beiden koffeinhaltigen Getränken folgt ein Produkt, das vor einigen Jahren noch als exotische Rarität galt: die Avocado. Im Vergleich zu anderem Obst eher teuer, landet sie häufig im Angebot – und damit auf der Liste von Schnäppchenjägern. Mit 4 Prozent der Top-50-Einträge hat sich das grüne Superfood an die Spitze der Frischeprodukte gesetzt – gleichauf mit Butter und noch vor Bananen, Äpfeln und allen anderen Obstsorten.
TK-Pizza vor frischem Gemüse
Ein Blick auf die Top 10 offenbart weitere Tatsachen. TK-Pizzen (Platz 6) landen häufiger auf der Liste als die meisten frischen Gemüsesorten – nur Paprika kann mithalten. Auffällig: Chips schaffen es auf Platz 5, noch vor der Tiefkühlpizza. Schokolade schließt die Top 10 ab.
Blick auf die hinteren Ränge: Wasser und Kindheitsklassiker
Bemerkenswert ist auch, was nicht ganz oben steht: Während Bier im Mittelfeld liegt, rangiert Mineralwasser mit 1 Prozent erst auf Platz 43. Trinken die Deutschen zu wenig? Wahrscheinlicher ist, dass Wasser schlicht nicht notiert wird, weil es ohnehin automatisch im Einkaufswagen landet oder aus dem Hahn kommt.
Am Ende der Top 50 finden sich auch Produkte, die an Kindheitserinnerungen appellieren – oder diese für den Nachwuchs neu schaffen: Maxi King, Toffifee und Kinder Bueno haben ihren festen Platz, genauso wie Milchreis und Ofenpommes.
Wenn die Jahreszeit den Einkauf bestimmt: Ein Blick auf saisonale Trends
Manche Produkte kennen nur eine Saison. Andere trotzen jeder Witterung. Die Daten zeigen erstaunlich klare Muster, die weit über das hinausgehen, was man von saisonalem Obst und Gemüse erwarten würde.
Um die Saisonalität der Produkte zu ermitteln, haben wir einen Konzentrationsindex (0–100) entwickelt. Dieser betrachtet die monatlichen Listeneinträge pro Produkt und ermittelt den Anteil der Einträge pro Saison – bezogen auf den gesamten Betrachtungszeitraum Mai bis Dezember. Je höher der Konzentrationsindex, desto stärker die saisonale Prägung. Ein Index von 50 steht für eine gleichmäßige Verteilung über die Jahreszeiten hinweg.
Die Champions des Sommers: Wassermelone und Steinobst dominieren
Zwischen Juni und August regiert Steinobst die Einkaufslisten. Vier von fünf Einträgen von Kirschen, Nektarinen oder Zwetschgen fallen in diese drei Sommermonate. Ebenfalls gefragt, obwohl ganzjährig in den Geschäften verfügbar: Die Wassermelone – ob kernarm oder klassisch – erreicht einen Saison-Index von 78,5 und ist damit das Sinnbild für heiße Tage. Im Herbst verschwinden diese Produkte praktisch vollständig aus den Listen.
Herbst- und Winterfavoriten: Kaki, Granatapfel und die Rückkehr der Klassiker
Herbst und Winter bringen ihre eigenen Stars hervor – und einige davon sind zu 100 Prozent saisonal. Kaki und Mandarinen erreichen einen Saisonfaktor von 100: Sie tauchen ausschließlich zwischen September und Dezember auf den Listen auf. Der Granatapfel folgt mit 89,7 dicht dahinter. Die Kaki hat sich dabei zum Winter-Obst schlechthin entwickelt – sie übertrifft sogar klassische Zitrusfrüchte in der Gunst der Verbraucher. Die einst exotische Frucht ist im Mainstream angekommen.
Beim Gemüse zeigt sich ein ähnliches Bild: Rosenkohl (70,4) und Karotten (73,6) sind die klaren Herbst-Winter-Favoriten. Unter den ganzjährig erhältlichen Produkten mit starkem Fokus auf die kühleren Monate sticht Nutella hervor: Mit einem Saison-Index von 64,9 landet das Nuss-Nougat-Creme deutlich häufiger auf den Listen, wenn es draußen kühler wird. Die Erklärung liegt nahe: Weihnachtsbäckerei, Plätzchenrezepte und gemütliche Sonntagsbrunchs.
Dezember: Feuerwerk, Noisette und Cola überholt Energy
Ein gesonderter Blick auf den Dezember bringt zwei Bestseller ins Ranking: Feuerwerk und Noisette – die Weihnachtspraline schlechthin – erreichen einen Saisonfaktor von 100. Auch Bier zeigt mit 81,7 einen überraschend hohen Dezember-Fokus: Die Feiertage werden offenbar feuchtfröhlich begangen.
Produkte ohne Jahreszeit: Kiwi und Cola
Energy Drink und Coca-Cola kennen keinen Kalender und zeigen ausbalancierte Index-Werte in beiden Perioden. Auch die Kiwi zählt zu den echten Ganzjahres-Favoriten – anders als viele andere Obstsorten zeigt sie kaum saisonale Schwankungen.
Von Flensburg bis München: So unterschiedlich kauft Deutschland
Die regionale Analyse der Einkaufslisten in Deutschlands Städten offenbart Unterschiede im Einkaufsverhalten zwischen Nord und Süd, Ost und West. Auf der Suche nach regionalen Besonderheiten haben wir einen Blick auf die Bundesländer und ihre größten Städte geworfen.
Der Osten trinkt Energy – der Westen bleibt bei Cola
Energy und Cola stehen ganzjährig auf den meisten Einkaufslisten. Doch beim Vergleich zwischen alten und neuen Bundesländern zeigt sich ein interessanter Unterschied: Im Osten führt Energy Drink, gefolgt von Cola-Produkten. Im Westen ist es umgekehrt – hier liegen Cola-Produkte vorn, Energy Drink auf Platz zwei.
Die Gemeinsamkeiten überwiegen jedoch. In beiden Landesteilen belegen dieselben Produkte die Spitzenplätze: Butter landet hier wie dort auf Platz drei, Schokolade und Bananen folgen dicht dahinter. Die grundlegenden Einkaufsgewohnheiten unterscheiden sich weniger, als regionale Klischees vermuten lassen.
Einige Besonderheiten fallen dennoch auf: Im Osten schaffen es Gurken auf Platz 5 – im Westen rangieren sie erst auf Platz 21. Ein Unterschied von 16 Plätzen. Auch Müllermilch zeigt ein klares Ost-Profil: Platz 9 im Osten, Platz 24 im Westen. Der Osten kauft klassischer, der Westen etwas exotischer – doch am Ende landet bei allen mindestens Butter, Energy Drink oder Cola im Einkaufswagen.
Schleswig-Holstein: Die Naschkatzen der Republik
Im hohen Norden zeigt sich eine bundesweit einmalige Besonderheit: Fruchtgummis und Lakritze landen auf Platz 5. In keinem anderen Bundesland schaffen es diese Süßigkeiten so weit nach oben. In Flensburg wiederholt sich das Bild auf Stadtebene.
Die norddeutsche Vorliebe für Lakritze ist bekannt. Dass sie sich aber so deutlich in den Einkaufslisten niederschlägt, überrascht. Der Norden nascht anders als der Rest der Republik – und zwar systematisch.
Hamburg, München und Frankfurt: Die Avocado-Metropolen
In den Großstädten zeigt sich ein urbaner Trend: Avocados schaffen es in die Top-Ränge. In Hamburg auf Platz 6, in München auf Platz 5 und in Frankfurt landet das Superfood sogar auf Platz 3. Das Klischee vom hippen Avocado-Toast-Brunch bestätigt sich damit eindrucksvoll – zumindest in den Metropolen ist er längst Alltag.
Berlin: Gurkenhauptstadt statt Hafermilch-Hochburg
Aus der Distanz dominiert in Berlin ein moderner, umweltbewusster Ernährungsstil. Doch dieses Bild ist bestenfalls eine Fantasie. Wie in so vielen Städten steht auch in der Hauptstadt nicht etwa Hafermilch, sondern Cola besonders häufig auf der Liste. Auch sonst dominiert nicht unbedingt Superfood die Einkaufszettel: Gurken und Bananen, Butter, aber auch Avocados und Mangos landen regelmäßig im Einkaufswagen. Berlin ist – im Gegensatz zu mancher Darstellung – eine ganz normale Stadt, zumindest beim Einkaufen.
Das Ruhrgebiet: Bier, Nutella und frische Wäsche
Im Ruhrgebiet zeigt sich ein eigenes Einkaufsprofil. In Dortmund schafft es Bier auf Platz 3 – bundesweit einzigartig für eine Großstadt. Duisburg setzt auf Süßes: Nutella landet auf Platz 4, dazu Chips in den Top 10. Und überall im Pott gilt: Weichspüler gehört in den Einkaufswagen – in Essen auf Platz 6, in Duisburg auf Platz 7. Frisch duftende Wäsche hat hier Priorität.
Regionale Eigenheiten: Gurkenliebe im Osten, Weichspüler im Westen
Im Osten fällt die Vorliebe für Gurken besonders auf: In Dessau belegen sie Platz 3, in Berlin Platz 4 und in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden Platz 7: deutlich weiter oben als im Rest des Landes. Ob als Beilage, im Salat oder einfach pur – die Gurke gehört hier fest zum Speiseplan und wandert dank regelmäßiger Angebote umso öfter in den Einkaufswagen.
Im Westen überrascht ein ganz anderes Produkt: Weichspüler. In Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen schafft er es regelmäßig in die Top 10 – in Köln auf Platz 6, in Ludwigshafen sogar auf Platz 5. Frisch duftende Wäsche hat hier offenbar Priorität.
Produkt-Duelle: Wer gewinnt den direkten Vergleich?
Energy siegt gegen Cola. Doch wie schlagen sich andere Produkte im direkten Wettbewerb? Die Daten liefern klare Antworten – und ein paar Überraschungen.
Avocados vs. Bananen vs. Mangos Im Exoten-Trio setzt sich die Avocado durch. Die Banane, einst unangefochtener Obst-Champion, muss den Thron räumen.
Schokolade vs. Fruchtgummi Schokolade dominiert das Süßigkeiten-Duell.
Spezi vs. Pepsi David schlägt Goliath: Spezi gewinnt knapp gegen den US-Giganten. Die deutsche Limo-Tradition erlebt eine Renaissance.
Fazit: Die Einkaufsliste lügt nicht
Die Auswertung von über einer Million Listeneinträgen zeichnet ein Bild von Deutschland, das überrascht und bestätigt zugleich: Energy Drinks vor Cola, Avocados vor Bananen, Lakritze im Norden und Gurken im Osten. Die saisonalen Muster sind klarer als gedacht, die regionalen Unterschiede feiner als vermutet.
Dabei zeigt die Analyse auch: Viele der meistgenannten Produkte sind nicht nur beliebt, sondern landen regelmäßig im Angebot – und genau deshalb auf der Liste. Der Blick auf den Einkaufszettel verrät, was wir wirklich wollen und wo wir bereit sind, für ein gutes Angebot zuzugreifen. Denn eines ist sicher: Die Einkaufsliste lügt nicht.
Grundlage der Auswertung sind echte Einkaufslisten aus der App. Wer seine Einkäufe genauso organisieren möchte, kann die Einkaufsliste einfach selbst ausprobieren.
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So haben wir die Daten ausgewertet
Die vorliegende Analyse basiert auf anonymisierten Nutzerdaten der kaufDA-App. Ausgewertet wurden Prospekte von Supermärkten, Discountern, Biomärkten und Getränkemärkten im Zeitraum von Mai bis Dezember 2025. Erfasst wurden digitale Einkaufslisten aus rund 6.500 Städten in allen 16 Bundesländern. Pro Stadt flossen im Durchschnitt rund 20 Produkteinträge in die Auswertung ein – sowohl für den Gesamtzeitraum als auch aufgeschlüsselt nach einzelnen Monaten.
Die Auswertung erfolgt auf Produktebene, nicht auf Markenebene. Das bedeutet: „Butter" umfasst diverse Buttermarken, „Energy Drink" alle entsprechenden Getränke unabhängig vom Hersteller. Diese Kategorisierung ermöglicht übergreifende Aussagen zum Konsumverhalten, ohne einzelne Marken hervorzuheben.
Um statistische Zufälle auszuschließen, wurden für die saisonale Analyse (Ausnahme Dezember) nur Produkte mit mindestens 10.000 Listeneinträgen berücksichtigt; für die regionale Analyse lag die Grenze bei 1.000 Einträgen. Für die Auswertung auf regionaler Ebene wurden zudem nur die jeweils fünf größten Städte pro Bundesland (insgesamt 69) berücksichtigt.
Hinweis zur Interpretation: Die Daten bilden das Verhalten der kaufDA-Nutzerschaft ab und erheben keinen Anspruch auf Repräsentativität für die deutsche Gesamtbevölkerung. kaufDA zeigt vorrangig Produkte im Angebot – manche Produkte sind häufiger rabattiert als andere. Dennoch liefert die Analyse belastbare Trends innerhalb einer großen und geografisch breit gestreuten Nutzergruppe.










